Befindet sich eine Pfütze neben dem Katzenklo oder an einer anderen Stelle in der Wohnung, ist das erst mal ärgerlich. Doch dahinter steckt meist keine böse Absicht. Manchmal sind diese Missgeschicke darauf zurückzuführen, dass Ihre Katze vermehrt urinieren muss. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Was genau dahinter steckt, wenn Ihre Katze viel uriniert, und wann es Anlass zur Sorge gibt, lesen Sie hier.
Inhaltsverzeichnis
- Wie viel uriniert eine gesunde Katze?
- Vermehrtes Urinieren und gesteigerter Durst
- Warum uriniert Ihre Katze viel? Häufige Ursachen
- Wenn ältere Katzen viel trinken und urinieren
- Welche Symptome sprechen für welche Erkrankung?
- Wann sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen?
- FAQ – Häufig gestellte Fragen
Wie viel uriniert eine gesunde Katze?
Da Katzen sich in Größe, Rasse und Gewicht unterscheiden, lässt sich ihr Trink- und Urinverhalten nur grob einschätzen. Wird Ihre Katze mit Nassfutter ernährt, sollte sie etwa 50–60 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht am Tag aufnehmen[Q1] . Die obere Grenze liegt bei 80–100 ml. Rund die Hälfte davon scheidet sie wieder aus.
Wichtiger als Richtwerte ist jedoch das normale Verhalten Ihrer Fellnase. Trinkt sie plötzlich deutlich mehr oder ist der Wassernapf ungewohnt schnell leer, steigt ihr Flüssigkeitsbedarf. Gleiches gilt für den Urin: Liegen viele Klumpen im Katzenklo oder finden Sie Pfützen in der Wohnung, deutet das auf eine erhöhte Harnmenge hin.
Vermehrtes Urinieren und gesteigerter Durst
Vermehrtes Wasserlassen nennt man Polyurie, gesteigerten Durst Polydipsie. Beide hängen eng zusammen: Entweder führt mehr Trinken zu häufigerem Urinieren, oder der Körper scheidet mehr Flüssigkeit aus und löst dadurch mehr Durst aus.
Der Körper kontrolliert ständig den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Fehlt Flüssigkeit, signalisiert das Gehirn Durst und gibt das antidiuretische Hormon frei. Die Nieren halten dann mehr Wasser zurück, und der Urin wird dunkler. Ist dagegen zu viel Flüssigkeit im Blut, scheidet der Körper sie über vermehrtes Urinieren aus.
Selten liegt eine Störung im Gehirn vor, die unnötigen Durst auslöst. Häufiger stecken jedoch Harnwegs- oder Stoffwechselerkrankungen hinter Polyurie und Polydipsie.
Warum uriniert Ihre Katze viel? Häufige Ursachen
Die Ursachen einer Polyurie können vielfältig sein. Häufig sind die Harnwege der Katze für das gesteigerte Ausscheiden von Urin verantwortlich. Die zugrunde liegenden Erkrankungen sind nicht zwingend lebensbedrohlich, sollten aber immer sehr ernst genommen werden, um frühestmöglich einzuschreiten.
Erkrankungen der Harnwege
Erkrankungen der Harnwege zählen zu den häufigsten Ursachen für vermehrtes Urinieren bei Katzen. Sie gehen oft mit Schmerzen oder einem veränderten Urinabsatz einher und sollten frühzeitig abgeklärt werden.
Blasenentzündung
Auch Katzen können eine Blasenentzündung entwickeln. Häufig verursachen Harnsteine oder Harngrieß kleine Verletzungen in der Blase, die sich entzünden. Bakterien können sich dann leicht ausbreiten.
Typische Anzeichen sind häufiges Urinieren, ein starker Geruch sowie braun- oder rot gefärbter Urin. In der Regel behandelt der Tierarzt die Entzündung mit Antibiotika und Schmerzmitteln, sodass die Beschwerden meist nach wenigen Tagen abklingen.
Harnsteine
Harnsteine – auch Struvitsteine oder Urolithen genannt – entstehen, wenn sich Mineralien im Urin zu Kristallen verbinden. Sie reizen die Harnwege und können Entzündungen auslösen.
Kleine Steine lassen sich oft durch viel Flüssigkeit und Spezialfutter ausscheiden. Der Körper erhöht dabei die Urinmenge, um die Steine herauszuspülen. Größere Steine können jedoch einen Harnwegsverschluss verursachen und im schlimmsten Fall die Harnwege schädigen. Bei Verdacht auf Harnsteine sollte die Katze schnell untersucht werden.
Erkrankungen von Niere und Stoffwechsel
Störungen von Niere oder Stoffwechsel beeinflussen den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Betroffene Katzen trinken meist deutlich mehr und scheiden große Mengen Urin aus.
Niereninsuffizienz
Eine weitere Erkrankung, die Sie in Betracht ziehen sollten, wenn Ihre Katze viel uriniert, ist eine Niereninsuffizienz. Hierbei handelt es sich um eine Einschränkung der Nierenfunktion. Bei einer Niereninsuffizienz arbeiten die Nieren nicht mehr richtig. Sie regulieren normalerweise den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Eine gestörte Funktion führt häufig zu Polyurie.
Bei einer akuten Niereninsuffizienz, zum Beispiel nach einer Vergiftung, kann schnelle Behandlung zur vollständigen Genesung führen. Eine chronische Niereninsuffizienz ist dagegen nicht heilbar. Erste Symptome wie vermehrtes Urinieren, Erbrechen oder Müdigkeit treten meist erst auf, wenn große Teile des Nierengewebes geschädigt sind. Eine früh begonnene Nierendiät kann den Verlauf jedoch verlangsamen.
Schilddrüsenüberfunktion
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert der Körper zu viele Schilddrüsenhormone. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren. Die Katze wirkt unruhig, hat starken Hunger und Durst und uriniert entsprechend mehr.
Ursache ist meist eine gut- oder bösartige Gewebewucherung in der Schilddrüse. Da die Symptome ähnlichen Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Diabetes ähneln, ist eine Blutuntersuchung notwendig.
Diabetes mellitus
Diabetes mellitus ist eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Die Glukose aus der Nahrung gelangt wegen eines Insulinmangels nicht in die Zellen. Betroffene Katzen sind oft müde, fressen viel und trinken deutlich mehr. Da der Körper den überschüssigen Zucker über den Urin ausscheidet, geht viel Flüssigkeit verloren. Die Katze kompensiert das durch vermehrtes Trinken.
Früh erkannt lässt sich Diabetes gut behandeln – teilweise sogar vollständig beheben. Meist ordnet der Tierarzt Insulin und eine angepasste Diät an, um den Blutzucker zu stabilisieren.
Vergiftungen und bakterielle Erkrankungen
Giftstoffe und bakterielle Infektionen belasten den Organismus und regen die Ausscheidung über den Urin an. Zusätzlich treten häufig Allgemeinsymptome auf.
Vergiftungen
Giftstoffe regen den Körper an, sie über den Urin auszuschwemmen. Dadurch uriniert die Katze mehr. Manche Substanzen belasten zusätzlich die Organe, was ebenfalls zu Polyurie führt. Achten Sie auf giftige Pflanzen, Putzmittel oder andere Stoffe, die die Katze aufnehmen könnte. Bei Freigängern ist das Risiko höher.
Treten neben dem vielen Urinieren Symptome wie Müdigkeit, Verwirrtheit, Erbrechen oder Durchfall auf, sollten Sie sofort einen Tierarzt aufsuchen.
Blutvergiftung und Gebärmutterentzündung
Auch bakterielle Vergiftungen wie eine Blutvergiftung können die Harnwege schädigen. Das gilt ebenso für eine Gebärmutterentzündung, die nach der Rolligkeit entstehen kann. Typische Anzeichen sind Fieber, Müdigkeit und eitriger Ausfluss. Die Bakterien belasten die Nieren und führen zu Polyurie und Polydipsie.
Ernährung
Manchmal liegt gesteigertes Urinieren an einer Futterumstellung. Bekommt die Katze häufiger Trockenfutter, trinkt sie automatisch mehr und scheidet entsprechend mehr aus. Nach einiger Zeit stellt sich der Körper meist darauf ein.
Auch eine salzreiche Ernährung erhöht den Urinabsatz. Überschüssiges Natrium wird über den Urin ausgeschieden.
Verhalten
Nicht jedes Urinieren außerhalb des Katzenklos ist krankheitsbedingt. Stress, Revierverhalten oder Probleme mit der Katzentoilette spielen häufig eine Rolle.
Markierverhalten
Vor allem unkastrierte Kater markieren ihr Revier mit kleinen Urinmengen. Stress oder Veränderungen im Haushalt können dieses Verhalten verstärken.
Unsauberkeit und Katzenklo
Ein ungeeignetes oder schlecht gereinigtes Katzenklo führt dazu, dass Katzen außerhalb der Toilette urinieren, ohne tatsächlich mehr Urin zu produzieren.
Wenn ältere Katzen viel trinken und urinieren
Trinkt und uriniert eine alte Katze deutlich mehr als früher, steckt häufig eine altersbedingte Erkrankung dahinter. Besonders verbreitet sind:
- chronische Niereninsuffizienz
- Schilddrüsenüberfunktion
- Diabetes mellitus
Da die Symptome oft schleichend beginnen, bleiben sie lange unbemerkt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem siebten Lebensjahr helfen, Erkrankungen früh zu erkennen. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser lässt sich der Krankheitsverlauf beeinflussen.
Welche Symptome sprechen für welche Erkrankung?
Einzelne Symptome helfen dabei, Erkrankungen voneinander zu unterscheiden. Die endgültige Diagnose stellt zwar der Tierarzt, doch Ihre Beobachtungen liefern wichtige Hinweise. Achten Sie daher genau auf Veränderungen im Verhalten, beim Trinken und beim Urinabsatz.
Pollakisurie und Strangurie
Neben der Polyurie gibt es weitere Formen von Harnproblemen:
- Pollakisurie: häufiges Urinieren in kleinen Mengen, meist durch eine gereizte Blase
- Strangurie: schmerzhaftes, angestrengtes Pressen beim Urinieren
Beide treten häufig bei Blasenentzündungen oder Harnsteinen auf. Die Katze versucht dabei, Fremdkörper aus den Harnwegen zu entfernen. Die Symptome deuten meist auf eine FLUTD (Feline Lower Urinary Tract Disease) hin.
Harnwegsverschluss
Ein Harnwegsverschluss entsteht durch Harnsteine oder Schleimpfropfen. Die Katze setzt dabei nur wenig oder gar keinen Urin ab[Q2] , besucht das Katzenklo aber häufig. So entsteht der Eindruck, sie müsse ständig urinieren.
Bleibt die Streu unberührt oder kann die Katze keinen Urin absetzen, besteht akute Lebensgefahr. Weitere Anzeichen sind:
- Erbrechen
- Schmerzen im Bauchbereich
- schnelle, flache Atmung
In diesem Fall ist sofortiger tierärztlicher Notdienst erforderlich.
Harninkontinenz
Bei einer Harninkontinenz verliert die Katze unkontrolliert größere Mengen Urin. Häufig passiert das im Schlaf, [Q3] sodass Liegeplätze nass werden. Die tägliche Urinmenge bleibt gleich, ebenso die Trinkmenge.
Inkontinenz ist nicht mit Markieren zu verwechseln. Markierende Katzen setzen gezielt kleine Urinspritzer ab, während inkontinente Tiere den Urin einfach laufen lassen.
Unsauberkeit
Urinieren Katzen bewusst außerhalb des Katzenklos, liegt meist Unsauberkeit vor. Die Katze geht dabei in Hockstellung und setzt normale Urinmengen ab. Die Gesamtmenge verändert sich nicht.
Häufige Auslöser sind Stress oder Angst, Veränderungen im Haushalt und der Umgebung sowie Protestverhalten. Solange der Urin normal aussieht und keine weiteren Symptome auftreten, sind körperliche Ursachen eher unwahrscheinlich. Dennoch sollten Krankheiten ausgeschlossen werden.
Wann sollten Sie einen Tierarzt aufsuchen?
Uriniert Ihre Katze plötzlich mehr und zeigt zusätzlich Symptome wie Apathie, Erbrechen oder Durchfall, sollten Sie innerhalb von 12 Stunden einen Tierarzt aufsuchen.
Wirkt die Katze ansonsten fit, beobachten Sie ihr Verhalten drei bis vier Tage:
- Messen Sie die tägliche Trinkmenge
- Kontrollieren Sie die Urinmenge im Katzenklo
- Achten Sie darauf, dass keine anderen Wasserquellen genutzt werden
Bleibt die Veränderung bestehen, vereinbaren Sie einen Tierarzttermin. Bringen Sie möglichst eine Urinprobe vom Morgen mit. Ihre Beobachtungen helfen dem Tierarzt, schneller eine genaue Diagnose zu stellen.
